Das Meer ist auch indirekt Thema von Kerstin Pflegers Serie Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen. Die analogen Einzelbilder bilden eine Visualisierung offizieller Statistiken der Todeszahlen im Mittelmeer während der „Flüchtlingskrise“ des Jahres 2015. Im Gegensatz zur ikonischen Fotografie des toten dreijährigen Aylan Kurdis am Strand, zeigt Pfleger keine Leichen, sondern hält ihre Bilder in abstraktem schwarz-weiß-grau. Je dunkler die Fotografie, desto mehr Todesopfer wurden an jenem Tag verzeichnet. Der Titel basiert auf einer Aussage von Sebastian Kurz (damals Außenminister, heute Bundeskanzler). Eine zynische Bestätigung der humanistisch zutiefst bedenklichen Tatsache, dass die Tode von Menschen, die dazu gezwungen waren vom Krieg zu fliehen, von vielen Europäer*innen als „Kollateralschaden“ wahrgenommen wurden. Pfleger scheint den vielen namenlosen Toten des Mittelmeers, die sich auf die gefährliche Reise in der Hoffnung auf ein besseres Leben machten, ein Denkmal zu setzen. Eine Erinnerung an sinnlose Tode, die durch eine weniger restriktive Immigrationspolitik verhindert hätten werden können.

 

Amila Softić und Agnes Rameder (anlässlich der Ausstellung Gespaltene Welt, 2020)